Postkarte als Tauchbootpost aufgegeben nach Argentinien von Claudius Kroschel

 

Heute möchten wir Ihnen eine wirkliche Seltenheit der Germania-Philatelie vorstellen. Gewöhnliche Tauchbootbriefe der 20 Pf. Frankaturstufe in die USA sind keine Seltenheit und werden regelmäßig im Internet, auf Großtauschtagen oder in Auktionen angeboten. Ganz anders verhält es sich mit Postkarten und anderen Ganzsachen. Unter den über 62.000 von der Deutschen Ozean-Reederei registrierten Tauchbootsendungen befanden sich insgesamt nur 675 Postkarten. Damit stellte die Versendungsform Postkarte die seltenste Form des gesamten Tauchbootpostaufkommens des Deutschen Reichs im Jahr 1917 dar. [1]

tauchboot 1 
 tauchboot 2

Eine Postkarte ins Ausland kostete damals 10 Pf.. Diese Ganzsache MiNr. P91 [2] wurde am 06.01.1917 in Bremen aufgegeben nach Diego de Alvear in Argentinien und am 15.01.1917 mit dem Bestätigungsstempel und dem Zensurzeichen „Komet“ versehen im Postamt Bremen 1 als Tauchbootpost zur dritten, geplanten und dann später abgesagten Fahrt der U Deutschland bearbeitet [1].
Die Karte trägt den bekannten dreizeiligen „Zurück....“-Stempel in der großen Ausführung. Mit rotem Kopierstift ist der Rücksendevermerk „Rethen Aller“ des Bremer Postbeamten nach Absage der geplanten Tauchbootfahrt vermerkt.

Aufgegeben hat die Postkarte der Rittergutsbesitzer Otto von Düring, Rittergut Kirchwahlingen [3] an einen Señor Augusto Schulz in Diego de Alvear, Argentinien.

Die Karte ist privater Natur und zeigt die Nöte der damaligen Kriegszeit, verbunden mit der Tatsache, dass kaum noch Auslandspost das Deutsche Reich erreicht. Der Rittergutsbesitzer, möglicherweise ein Nachfahr oder Verwandter des 1875 in Celle gestorbenen deutschen Richters und Justizministers von Hannover, Otto Albrecht von Düring, ist auf der Suche nach seinem Sohn. Hier der komplette Text:

„6). Kirchwahlingen Rethen Aller
Prov. Hannover. 30 XII. 16
Sehr geehrter Herr Schulz! Seit einem Jahr habe ich keine Nachricht von meinem Sohn kein Brf. Kommt über ! Schreibe Ihnen jetzt, nummeriert bis 10, wöchentlich eine Karte gleichen Inhalts vielleicht erreicht Sie eine davon. Geben Sie mir bitte auf gleiche Art Nachricht. In San Ramon soll mein Sohn nicht mehr sein, aber wo ? Ich schrieb Ihnen schon Brf vor längerer Zeit. Nehmen Sie sich seiner an; event. Consul fragen und recherchieren. Hier alles wohl, verbindliche Empfehlungen und herzlichen Dank im voraus, Ihr ergebenster v. Düring.
Von Herrn v. Arenstorff hörte ich daß mein Sohn in San Ramon sei. Bülow ist Jan. 1916 schwer erkrankt u m. Sohn mit ihm fort. Wohin weiß ich nicht, bin in großer Sorge.“

Die große Seltenheit bei dieser Postkarte stellt die Destination dar: Von den nur 675 als Tauchbootpost aufgegebenen Postkarten ist diese die einzige bisher bekannte die nach Argentinien adressiert ist. Sicherlich könnten etwaige unverbesserliche Puristen die Aktenlochung beanstanden, aber solange keine Tauchboot-Postkarte nach Argentinien ohne Aktenlochung bekannt wird, sollte dieses minimale Manko sehr gut zu verschmerzen sein.

 

Claudius Kroschel

Literatur:
[1] Claus Geissler: Deckname U 200, Die Tauchbootpost-Story, Berlin, 2005
[2] MICHEL Deutschland Ganzsachen-Katalog, Schwaneberger-Verlag, Unterschleißheim, 2014
[3] Zur Familie von Dürings zu vergleichen: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Düring